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"Dies ist keine Stadt..."

"... sondern ein Ozean aus Zeit", schrieb Franz Kafka über seine Heimatstadt. Und genau diesen Ozean, was auch immer der gute Mensch damit gemeint haben mag, wollten wir erkunden - Prag. Wir, das waren Jörg und ich. Da die Zeit vor dem Start recht knapp bemessen war, und Fujikameras leider nicht mit einer Suchvorrichtung ausgestattet sind, konnte ich leider nicht fotografieren. Und weil Jörg es einfach nicht schafft, seine Fotos zu digitalisieren, hier ein besonders schönes Bild von ihm:



Erstmal die Vorgeschichte. Jörg war gerade aus seinem Schwedenurlaub, ich aus Polen zurückgekehrt, als uns sozusagen parallel auffiel: Urlaub is prima! Also noch ein paar Tage Entspannung dazwischenschieben, bis Hektik und Stress einem das Leben wieder vermiesen. Die Wahl fiel relativ schnell auf Prag, der Termin war auch schnell gefunden.
Also holte mich Jörg am Abend des 29.August, Anno Domini 2006, aus Jena ab.
Erstes Ziel: Leipzig.
Der Plan: Nochmal gemütlich auspennen, Mittwoch Vormittag los, Mittwoch Nachmittag Pilsener Urquell in Prag.
Die besonderen Umstände: Hobster geht bald nach Zwickau, also muss die verbleibende Zeit genutzt werden.
Das Ergebnis: Poker und Sterni bis halb vier (oder war´s halb fünf?).

Nun ja, los ging´s also am Mittwoch gegen vier. Zwischendurch noch Ersatzlampen für´s Auto kaufen (müssen in Tschechien bei Polizeikontrollen vorgezeigt werden!), Reiseproviant einpacken und Grenzübergänge meistern (ich brauche dringend einen neuen Perso - das Foto scheint die Bullen jedesmal zu intensiver Kontrolle geradezu aufzufordern). Dann über Landstraßen Richtung Hauptstadt, da Autobahnen ja Maut kosten, und wir waren pünktlich zur Nacht da.
Prag. Schön. Die Parkplätze, die nachts nicht benutzbar sind. Die Baustellen, die den Blick verstellen. Der Regen, der einen darauf hinweist, wie lange die Scheibenwischerblätter nicht erneuert wurden. Die LKWs, die die Straße blockieren. Zugegeben, wir waren zunächst etwas, naja, gestresst. Kater (Jörg), lange Autofahrt und dann kein Parkplatz in Sicht. Doch wir behielten die Nerven und wurden belohnt mit dem wahrscheinlich besten P+R Parkplatz in Prag namens Pawlowka. Der Parkwächter war äußerst sympathisch und hilfsbereit, nur leider konnte er weder deutsch noch englisch. Verdammt, warum hat keiner von uns russisch gelernt? Nun ja, dank universell verständlicher Zeichensprache begriff er dann recht schnell, dass wir freundliche Menschen sind, die lediglich eine Nacht im Auto auf seinem Parkplatz verbringen wollen. Den Preis teilte er uns schriftlich mit, und schon hatten wir für ca. 1,50 Öre pro Nase eine Bleibe für die Nacht. Dann nochmal kurz in die Stadt, Käffsche und Biersche trinken, und dann zurück zum Parkplatz.

Am nächsten Morgen wurden wir vom Chef geweckt und freundlich gebeten, den Parkplatz schnellstmöglich zu verlassen. Also auf ging´s, neue Herberge suchen. Nach langer Suche wurde uns dann ein Hostel empfohlen, dessen Lage uns auf dem Stadtplan recht großzügig gezeigt wurde. In jenem Gebiet angelangt, half uns dann ein äußerst freundlicher tschechischer Student, der mit uns zusammen zwei Herbergen besuchte und mit der netten Frau am "Empfang" des zweiten Hostels alles regelte. Dieses Hostel war eigentlich ein Studentenwohnheim, wurde über die Ferien aber als Jugendherberge genutzt. Wir fühlten uns in Anbetracht der soliden Stahlbeton/Asbest-Zonenarchitektur in Eingedenk der günstigen Preise recht wohl und begannen von hier aus, Prag zu erkunden.

Der Donnerstag stand dann ganz im Zeichen der Prager Burg, auf dem Hradschin gelegen. Von dort oben aus gab es zunächst einen herrlichen Blick über die gesamte Stadt zu bewundern, sowie einige sehr schöne Gebäude. (Sobald Jörg das mit den Bildern hinbekommen hat gibt es dann an dieser Stelle auch meine beiden persönlichen Lieblingstschechen zu sehen, die dort oben einen echten Scheißjob verrichteten.) Am Abend erkundeten wir noch einige nette Kneipen, dann ging´s zurück zur Herberge. Dort trafen wir ein paar Bayern, die demnächst die 13. Klasse besuchen werden und eine Art Vorabschlussfahrt nach Prag unternahmen. Mitch, die beim Zeitpunkt unseres Eintreffens bereits die Schaukelschuhe angezogen hatte, zwang uns zum Wodkakonsum, ich holte die Flasche mit Gimpels Holunderblütenwein. Das war dann für mich das Ende des Tages, ich verabschiedete mich und wachte erst wieder auf, als Jörg versuchte, den Boden unseres Zimmers von seinem Mageninhalt zu säubern. Wie wir später erfuhren, haben wir durch unser Gelage mit Mitch die Gruppe gesprengt, die von diesem Tag an in zwei Gruppen aufgespalten war :-). Bayern....

Dementsprechend kurz war dann der Freitag. Karlsbrücke, Wenzelsplatz, Karlsplatz usw., der typische Tourikram eben, mit dem ich mal niemanden langweilen will. Kneipen am Abend, zurück zur Herberge, billig Bier noch nachts um halb zwölf. So mag ich das!

Am Samstag gab´s das Kafka-Museum. War das klasse! In existenzialistischem Schwarz gehalten beleuchtete es zunächst das Prag der 90er und der Jahrhundertwende (also der vorletzten) und ermöglichte es dem Besucher somit, in Kafkas Kindheit und Jugend einzutauchen. Originalmanuskripte, viele Fotos und sehr viele interessante Informationen zu Prag, jüdischem Leben in der Stadt und natürlich Kafka selbst machten den Besuch wirklich lohnenswert. Hiernach liefen wir etwas durch das jüdische Viertel, Josefov, und ließen die großartige Architektur auf uns wirken. Während Jörg dann das Mucha-Museum (Jugendstil - brrr!) besuchte, schlürfte ich einen Kaffee und machte es mir auf einer kleinen Bank bequem und beobachtete das bunte Treiben.

Abends dann das Übliche und schon war´s wieder Sonntag. Wir brachen gegen neun auf, schließlich war´s ja ein ganzes Stück nach Hause. Also fuhren wir zunächst auf dem selben Weg raus auf dem wir reinkamen, bis ich eine Merkwürdigkeit auf der Karte entdeckte: was sind das für hässliche rote Punkte neben der Straße, die wir gerade befuhren? Die gleichen hässlichen roten Punkte wie neben den Autobahnen? Maut!?! Tja, was soll man machen? Kostet 25 Öre. Haben wir nicht. Also Augen zu und durch... Schwein gehabt. Alles hat gepasst, wir durften sogar wieder nach D-Land einreisen, die "Kampagne für ein freies Osterzgebirge" verschonte uns diesmal mit Guerillaangriffen, Jörg setzte mich an einem Rasthof bei Dresden ab und ich fand einen netten Menschen aus Mühlhausen, der mich bis Göschwitz mitnahm. Zuhause war dann nur noch Duschen, Lindenstraße und Schlafen angesagt.

Fazit: Prag ist die geilste Stadt der Welt! Isse! Definitiv! Eine absolut geniale Athmosphäre + nette Menschen + schöne Architektur + Bier für weniger als einen Öre = 1+ mit * Jederzeit wieder! Falls jemand hinfährt - nehmt mich mit!


**edit**
Alles was ich vergessen habe:
- in der Moldau schwimmen ist verboten
- Prager Ampeln spielen Breakcore wenn man gehen darf
- das "Museum of Communism" ist über´m McDonalds, gegenüber vom Casino; leider nicht geschafft anzusehen
- Menschen aus Nordengland klingen wie Schotten
13.9.06 20:07





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