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400 km für die Kunst, oder: Verdammt, wenigstens bitte raus aus Erfurt

Gleich am Anfang möchte ich mich für die Verspätung dieses Berichts entschuldigen. Eigentlich sollte er ja auch mit imposanten Fotos (z.B. von unserem Schlafplatz vor dem Stadtmuseum) verziert werden. Allerdings ist mein Computer bis jetzt der Ansicht, dass diese Bilder wohl einer Zensur unterliegen sollten.

ARRRRRRRRRGH VERFLUCHTES DING, KOMM HER DU .....

ähem, naja ich werd die Fotos wohl dann mal per Hand durchreichen.

Nun gut, der Grund warum wir (Konrad Karl und meine Winzigkeit) diesen Ausflug nach Köln am 23.6 unternahmen, war (wie so oft in der Geschichte) ein toter Mann.
So ungefähr:. Jedoch war es weniger die Tatsache seines ablebens die uns interessierte, als vielmehr das, was er vorher gemacht hatte.


, nein das wars nich....
, nö auch nich .....
NEIN DER TYP WAR`S AUCH NICH!!!!!

DER HIER WAR`S:


Salvador Dali hatte vor 41 Jahren dieses Bild geschaffen,

dem nun das Museum Ludwig ein Rahmenausstellung widmete, mit der wir uns dann auch in 1 1/2 Stunden ausführlich beschäftigten.

Doch erstmal ganz langsam..... Zunächst mussten wir nach Köln fahren. Den Job übernahm dann glücklicherweise Konrad. Ok, also Freitagabend Sachen schnappen und los gehts. Leider waren wir gezwungen, nur in einer minimalen Lautstärke Musik zu hören, was dann auf der Autobahn nur noch zusätzlich erschwert wurde.
Und dann baute SIE sich vor uns auf, die Stadt des infrastrukturieten Grauens .~~E~...RFU.._.~RT !!!!!!!

Sätze wie : "ok also jetzt müssen wir hier links abbiegen, ahh nein das hier kenn ich doch nich...........oder ahh ja doch ich kann mich erinnern, oder? ok einfach immer gerade aus weiter..... hier waren wir doch heute schonmal ...NEEEEEEIIIIIIN FUCK.......!" , hielten uns eine geschlagene Stunde in ihrer Umklammerung gefangen.

Dann hatten wir es geschafft und eine Kaffee- und pause war mehr als nötig.
Als Konrad dann aber merkte, dass der 3. Kaffee genau so Sch*%$# schmeckt wie die beiden davor, war auch der Erfolg unserer Flucht aus Erfurt wieder ein wenig gedämpft wurden.
Ein Uhr nachts erreichten wir dann unseren Zielort. "Eigentlich müsste hier doch noch ne dicke Party am laufen sein, schließlich hat Frankreich heute gegen den Togo gespielt"

Nach einer kurzen Orientierungspause (in der wir auch gleich das neue Revier markierten) ging es dann ins Zentrum, einen Schlafplatz finden. Von einer Freundin wurde mir das BACKPACKERS-HOSTEL empfohlen, was aber wie alle anderen Unterkünfte in und um Köln aufgrund der WM gnadenlos ausgebucht war.

Nach dem wir uns dann noch bis halb vier die Stadt angesehen hatten und auch noch einiges an feierfreudigem Volk unterwegs gewesen war, parkte Karli dann das Auto auf einem einigermaßen ruhigem Parkplatz und wir schlummerten sanft in dem "ALLEZ LES BLEUES" Getöse der Vorbeiziehenden, (hier eine nachgestelltes Bild: )ein.

Am nächsten Tag ging es nach einer Stärkung im italienischen Supermarkt *an dieser Stelle Foto vom Essen* dann Richtung Kultur.
Nach einer kurzen Besichtigung des wirklich respekteinflößenden Doms (also auch von innen), beschritten wir den Weg ins Museum.
Die Dali-Ausstellung war auch schon um diese Uhrzeit rege besucht und bot neben natürlich BILDERN auch Lithografien, Filme und eine Vielzahl von Informationen, vor allem zu seinem "LA GARE DE PERPIGNAN". (um den Typ in der Mitte richtig malen zu können hat er sich nämlich an einem Hubschrauber in die Luft hängen lassen--> Bewegungsstudie und so.)

Danach ging es in die Dauerausstellung. Neben Werken von Magrit, Vostell, Ernst und Picasso tauchten auch einige verwirrende und (aufgrund ihres Eigengeruchs) auch irgendwie ekelnde Werke auf. Aber das passiert nunmal wenn man mit Essen spielt...: mit Schokolade überzogene Gipsköpfe und Kavier auf eine riesen Leinwand geklebt und durchnummeriert. Nach zwei weiteren Stunden schienen wir nun am Ende unseres geistigen Horizonts angelagt .... Bilder mit den Titeln wie "monochromes Blau" oder diese Art von Kompositionen


Nein, dafür waren wir noch nicht bereit.....nach vier Stunden non-stop Kultur begaben wir uns wieder zum Auto und traten die Heimreise an. Nach 5 Stunden fahrt (und diesmal sogar heile durch Erfurt durch) war die Reise fertig gereist.

Doch schon vor kurzem kam Konrad mit einer neuen frohen Kunde hereingeschneit.... Die nächste Ausstellung von Salvador in Nordhausen.... diesmal mit Bildern zu Dante Alighieris "göttlicher Komödie".....
Es wird also vorraussichtlich eine weitere Episode geben ---------------------------------->............


Also immer schön sonnig bleiben
7.8.06 12:43


Haltestelle Woodstock 2006

Nach dem klasse Festival im letzten Jahr stand für mich auch dieses Jahr wieder fest: Haltestelle Woodstock lasse ich mir nicht entgehen! Also nix wie auf nach Polen. Besser gesagt Berlin, denn das sollte die erste Station meiner Reise werden. Nachdem mich Reier zur Autobahnauffahrt Jena-Göschwitz gefahren hatte, dauerte es keine zehn Minuten bis ein hilfsbereiter Mensch sein Auto als Mitfahrgelegenheit anbot. Er konnte mich zwar nur bis zur nächsten Raststätte (Teufelstal) mitnehmen, da ihn sein Weg weiter über die A4 Richtung Dresden führte, aber okay. Da die Auffahrt Lobeda gesperrt war hatte ich wohl kaum eine andere Wahl als die Chance zu nutzen, denn ich stand wirklich äußerst ungünstig. Also ging´s los, zehn Minuten später stand ich an besagter Raststätte, die normalerweise nicht gerade die optimale Variante ist, aber nun gut. Es dauerte, wie eigentlich immer hier, eine ganze Weile bis ich jemanden gefunden hatte der mich mitnehmen wollte, dafür ging´s aber direkt bis Berlin durch. Genug Zeit, meine beiden Chauffeure besser kennen zu lernen: Merrit und Pierre (auch Pit genannt), ein Ehepaar in den 50ern aus Augsburg. Die gute Merrit war äußerst neugierig, und so hatte ich ehe ich bis zehn zählen konnte ein Gespräch am Laufen. Leider kann man ja in solchen Momenten, ob der Freundlichkeit der Fahrer überhaupt jemanden mitzunehmen, nicht immer antworten wie man möchte. Hier ein paar Gesprächsfetzen:

Merrit: Und, sie kommen hier aus Thüringen?
Ich: Ja.
M: woher genau?
I: Kyffhäuserkreis, das ist so im Norden Thüringens.
M: Kyffhäuser? Ist das das, wo die Kyffhäusersage herkommt?
Ob solcher Kombinationsfähigkeit brachte ich nur ein kurzes "ja" heraus, mühsam damit beschäftigt mir das Lachen zu verkneifen.
M: Wird das nicht auch Riesengebirge genannt?
Ui, das saß!
Ich: Ähm, ne, das ist eigentlich mehr so in Polen und Tschechien.

Nach einer kurzen Pause, in der sich Merrit wahrscheinlich vornahm bei Gelegenheit mal einen Atlas zu studieren, ging´s weiter.

Merrit: Und sie studieren?
Ich: Naja, mehr oder weniger. Augenblicklich nicht, hab´s aber bald wieder vor.
M: Erzählen sie doch mal von sich.
I: Ähm... (Was soll man dazu bitteschön sagen? Naja, ich wasche mich nicht so gern und schlafe unter Brücken. Und was macht ihr Sexualleben, bei Pit klappt noch alles???)
M: Sie haben im Kyffhäuserkreis die Grundschule besucht?
I: Ja. (Jaja, Überraschungen gibt´s...)
M: Und danach? Sind sie dann auf die Hauptschule gegangen? (Wohlgemerkt: Themenkomplex "Studium" war bereits abgehandelt...)
I: Ähm, ne, auf´s Gymnasium.
M: Ach.
(kurze Pause)
M: Und wie haben sie die Wende erlebt?
Jetzt war´s raus. Die Frage, die Merrit die vergangenen fünf Minuten anscheinend mühsam zurückgehalten hatte, sprudelte quasi erruptiv aus ihr heraus. Wie tief damals meine Dialektikerseele ob der arglistigen Täuschung, der ich der gesamten Zeit meines Aufenthaltes im Kindergarten und des ersten Schulhalbjahres aufgesessen war, ob der Tatsache, dass ich nun die gesammelten Marx´schen Werke, die mir meine Eltern statt der elenden bourgeoisen Märchenlektüre der kapitalistisch-imperialistischen Bälger der Familie Grimm abends vorlasen (natürlich im guten Glauben, damit meinem klassenbewussten Denken und Handeln zu dienen) aus meinem Gehirn elimineren musste um Platz zu schaffen für die Werte der freiheilich-demokratischen Grundordnung, ob des Zweifels, dem ich nun mein komplettes Wissen über Lenins revolutionäre Theorie unterzog, im zarten Alter von sechs Jahren gelitten hatte, wollte ich nun nicht so recht Preis geben, und so versuchte ich, mich durch einen Verweis auf eben bereits erwähntes Alter von der Kollektivschuld, mich einem diktatorischen, unmenschlichem System nicht entschieden genug widersetzt zu haben, zu entziehen. Aber nicht mit Merrit! "Ja, aber, wie haben Sie das denn erlebt?" Mit dem Satz "An einem Tag hing noch ein Bild von Thälmann an der Wand, am nächsten Tag war´s weg" war dann dieses Thema glücklicherweise abgehakt. Hätte ich Merrits Gesicht sehen können, hätte ich wahrscheinlich die Denkfalten erkannt ob der Frage, wer das denn nun war. So musste ich mich nicht schuldig bekennen, unter den letzten ideologisch Verblendeten gewesen zu sein, die ein blaues Halstuch trugen und darauf auch noch stolz waren (mensch war halt noch jung). Nun gut, dann erlöste mich ein Stau am Hermsdorfer Kreuz von Merrits Kommunikationsbemühungen, da sie nun die Karte studierte, um einen alternativen Weg Richtung Berlin zu ersinnen. Nachdem ich sie gerade noch so davon abhalten konnte, Pierre über Dresden nach Berlin zu lotsen (Geographie schien wirklich nicht ihre Stärke), beschloss ich, mich schlafend zu stellen. Als Pierre auch noch eine CD einer Frank Sinatra Kopie (einer grauenhaften noch dazu, obwohl ich diese Croonersachen sowieso nicht mag) einlegte - "Ist das die, die du aus San Francisco mitgebracht hast?" "Hmm" - klappte das mit dem Schlafen doch noch ganz gut. Als ich wieder erwachte (glücklicherweise waren wir da schon in der Nähe von Potsdam) las Merrit ihrem Angetrauten gerade ein Reisetagebuch eines Frankreich und/oder Italienurlaubs (ich konnte es nicht genau herausfinden) mit einer Freundin vor.
Als die beiden mich dann in Berlin an der erstbesten U-Bahnstation entließen hätte ich beinahe den Boden geküsst, konnte mich aber gerade noch zurückhalten. Nach einem Döner im Mauerpark und etwas Lektüre in eben jenem war es dann gegen sieben und ich fuhr zu Pucki. S-Bahn-Haltestelle Wedding, am Krematorium in der Adolfstraße vorbei (kein Witz) und schon war ich bei Puckis Behausung angekommen. Hier passierte nicht mehr viel und so ging ich schlafen, voller Vorfreude auf den nächsten Tag.

Dieser begann wie immer wenn man mit Pucki etwas unternehmen will: Viel zu spät und viel zu langsam. So verpassten wir die anderen am Bahnhof Lichtenberg um gerade mal zwei Stunden, trafen dafür aber glücklicherweise die uns bis dahin völlig unbekannten Ani und Jakob, an deren Brandenburgticket wir uns anhängen konnten. Nachdem der Zug dann eine Stunde nach fahrplanmäßiger Abfahrt den Bahnhof verließ, brauchte es nur drei Zwischenstopps von jeweils ca. 30 Minuten (aufgrund von Gleisbauarbeiten - ich hab die ganze Strecke über keinen Bahnmitarbeiter gesehen) bis wir in Kostrzyn eintrafen. Dort war dann Ausweis zeigen angesagt mit Spezialbehandlung für meine abstinente Wenigkeit (hehe, hättet ihr´s mal letztes Jahr versucht ihr Trottel!). Taschen ausleeren und Rucksack auf - "Was´n da drin?" "Klamotten" "Ok, kannst weitergehen" - sehr sinnvoll die Aktion, ich hätte schätzungsweise 3kg Koks und 2 kg Gras ohne Probleme über die Grenze bringen können, aber gut.
Dann ging´s per Bus, bei dem die Fahrpreise wie immer Zufall waren (2 Zloty für mich, 1 Zloty für Pucki und Jakob, kostenlos für Ani), zum Festivalgelände. Und ja, ich fühlte mich sofort heimisch: Staub brannte in den Augen, Alkoholgeruch in der Nase und Schnapsleichen zierten den Wegesrand. Im idyllischen Wäldchen hinter der Bühne, in dem wir bereits letztes Jahr gastierten, bauten wir dann unser Zelt auf, fernab von Uringeruch und missionswütigen Nonnen (die waren dieses Jahr ne echte Plage). Die Berliner Mannschaft hatte uns extra ein nettes Fleckchen freigehalten und mit Hilfe einer genialen Arbeitsteilung (ich: auspacken und Stäbe stecken, Pucki: zusammenfügen, Axel, Lukas, Ralf und die anderen: saufen und kiffen) dauerte es gerade mal eine halbe Stunde bis das Zelt stand. Nun konnten wir in aller Ruhe das Gelände erkunden. Dabei haben wir dann Perry, meinen persönlichen Lieblings-US-Amerikaner, getroffen, kurz begrüßt und dann ging´s weiter. Ich blieb dann an der Folkbühne hängen, wo eine Band gerade "Gloria" von Patti Smith spielte. Die waren echt klasse. Vier Männer um die 40 und zwei Backgroundschl.., ähm, Sängerinnen um die 20 spielten so ziemlich alle großen Bands aus den 60ern und 70ern. Buffalo Springfield, Canned Heat, Aretha Franklin... Klasse war´s. Danach lief musikalisch nicht mehr allzuviel, auf beiden Bühnen gab´s dann fast ausschließlich Skakapellen zu bewundern, was nun meine Sache nicht so ist. Dafür gab´s nette Bekanntschaften mit jugendlichen Polen und Deutschen und jede Menge Spaß. Eine Gruppe Polen, die ich dummerweise nach einer Zigarette gefragt hatte, ließ mich gleich gar nicht mehr gehen und zwang mich unter Androhung gröbster Gemeinheiten zum Biertrinken (worauf ich nun überhaupt keinen Bock hatte). Nachdem ich mir in einer Stunde ca eine halbe Dose heruntergewürgt hatte, rettete mich Ani glücklicherweise mit dem Bitten, ihr bei der Zeltsuche zu helfen. Nach einigen weiteren netten Bekanntschaften und Gesprächen war dann erstmal Schlafenszeit.

Am Samstag ging´s dann, dank unheimlich günstig stehender Morgensonne, recht früh raus. Zähne putzen, Wasser kaufen, Kaffee trinken usw nahmen dann etwas Zeit in Anspruch. Bei letzterem konnten wir dann gleich eines der übelsten Vorurteile überhaupt widerlegen: Axel, wegen des nach einer halben Stunde Anstehen ergatterten Kaffees anscheinend überglücklich, ließ sein Portemonnaie auf der Theke liegen. Wir schlenderten von dannen bis wir einen netten jungen Menschen hinter uns herrennen sahen, der Axels Finanzen zurückbrachte. Das möchte ich mal auf einem deutschen Festival erleben! Danach sah ich einer polnischen Deathmetalband beim Soundcheck zu, bis mich der Hunger packte. Also nichts wie ab zum Krishnadorf, wo es wie jedes Jahr billig lecker vegetarisches Essen gab. Pucki und Perry gaben sich dem Yoga hin



während ich den klugen Tipps von außen zuhörte ("Breathe! Don´t forget breathing!"). Diese fernöstlichen Weisheiten beeindrucken mich immer wieder. Irgendwie wurde es dann verdammt schnell dunkel und eine polnische Punklegende trat auf: Farbenlehre, bzw. Fachbenleche (ch wie in "ach" gesprochen), wie es das überwiegend polnische Publikum immer wieder lauthals schrie. Nach dem Genuss einer von Pucki gebauten großen Zigarette mit fragwürdigem Inhalt beschloss ich, für ein, zwei Stündchen das Zelt aufzusuchen.
Allerdings weckte mich Ralf bereits nach einer halben Stunde. Er war in einer echten Notlage: Vor der Bühne hatte er eine nette Frau kennengelernt, mit der es wohl ziemlich gut zu laufen schien, nur war sie leider durch ihre Freundin abgelenkt, also... "Ey Rat, kannst du dich mal ein bisschen mit der unterhalten? Das wird sonst alles nix.." Naja, wenigstens konnte ich dadurch noch die zweite Punklegende Polens an diesem Abend bewundern: KSU. Und die waren echt klasse! Während Farbenlehre ein bisschen wie die polnischen Hosen klangen, warteten KSU mit erheblichen Social Distortion-Einflüssen auf, aber ohne eine billige Kopie zu sein. Wer also ´ne Platte von KSU sieht: Kaufen! Überspielen! Sofort! Danach ging´s dann zur Tränke, wo Ania (die Freundin von Ralfs Angebeteter) mich vor aufdringlichen polnischen Alkoholikern beschützte (danke schön). Nachdem Aga und Ralf dann im Zelt verschwunden waren, hatten Ania und ich noch jede Menge Spaß in der Menge und lachten über Themen wie Laktoseintoleranz und monogame Großmütter. Nun ja... Lustig war´s auf jeden Fall. Nach immerhin einer halben Stunde Schlaf weckte mich Perry: "Hey Konrad, are you sleeping? You´re sleeping? Really? Hey, Konrad!" Tja, das war´s dann also... Dann ging ich mit Ania, die in Puckis verlassenem Zelt (er war des Nächtens Richtung Freiburg aufgebrochen) schlief während ich Ralfs verlassenen Schlafplatz nutzte, zurück zu ihrem Zelt um Ralf zum Kaffeetrinken abzuholen. Meine restlichen Zlotys verprasste ich für eine Joy Division LP (12 Zloty = 3 Euro!!!) und dann ging´s zurück nach Kostzryn.
Am Bahnhof erwartete uns nun eine Hiobsbotschaft: Es fuhren nur zwei Züge aufgrund von Gleisbauarbeiten (am Sonntag!), der Rest wurde über Schienenersatzverkehr geregelt. Herrlich... Ich suchte mir dann erstmal ein paar Leute mit Brandenburgticket, die ich auch recht schnell fand. Wir hingen dann vor´m Bahnhof rum, auf den Bus wartend, als wir eine freudige Mitteilung erhielten: Der Eurocity Warschau-Berlin, der in zehn Minuten fahren sollte, war für den Nahverkehr freigegeben! Also nix wie los zum Bahnsteig! Der Zug fuhr ein, hielt an, wir zeigten brav unsere Identifikationskärtchen vor, und gingen frohen Mutes Richtung Schienenfahrzeug. Auf einmal öffnete sich eine Tür und ein Polizeibeamter mit deutscher Lohnsteuerkarte hieß uns zu warten. Über den gesamten Bahnsteig kommunizierte er mit seinen Kollegen:

"Habt iah die auch alle kontrolliat?"
"Ja"
"Is det mit den Polen klarjemacht?"
"Ja"

Also rein in den Zug, dachten wir. Doch halt!

"Ne, steigt ma da vorne ein, hier is erste Klasse, wa"

Ok, wir hätten ja auch innen durchlaufen können, aber egal. Wir traben weiter vor als der Zug sich in Bewegung setzt, genau in dem Moment, in dem der erste einsteigen will, um nach zehn Metern wieder zu halten. Wir also wieder Richtung Eingang zweite Klasse. Aber nicht mit echten deutschen Beamten!

"Ne, wartet ma noch!"
"Wieso, die haben doch gesagt das geht klar!?!"
"Ne, ihr wartet jetzt!"

Ralf, seitdem unter der Top 5 meiner persönlichen Lieblingsfreiheitskämpfer, springt, gerade als der Zug sich wieder in Bewegung setzte, auf die Trittstufe vor dem Bull.., ähm, dem Polizeibeamten, woraufhin dieser ihn etwas unwirsch nach draußen befördert. Was soll man noch sagen, der Zug fuhr ab, wir standen am Bahnsteig und die netten Bullenschweinchen vor Ort waren genauso ratlos wie wir, und entschuldigten sich unablässig für ihren Kollegen, was uns aber nicht wirklich weiter half. Also doch Bus fahren...
Naja, nach drei Stunden oder so erreichten wir Berlin und per S-Bahn ging´s dann nach Wedding. Die drei netten Mitfahrer überließen mir auf Betreiben desjenigen, der aussah wie Jack Black (echt, das könnten Zwillinge gewesen sein!!!), ihr Ticket und so kam ich gegen fünf erschöpft in Puckis Wohnung an (er war ja in Freiburg und hatte mir seinen Schlüssel gegeben, damit ich wenigstens noch vier Tage Urlaub in Berlin machen konnte, nachdem ich keinen für einen spontanen Ostseeurlaub begeistern konnte). Jetzt gab´s, nach dem Duschen, nur noch eines: Schlafen! Dieses Unternehmen wurde gegen elf nochmal kurz gestört, da der nette Mensch, der über Pucki wohnt, wohl seiner Einrichtung überdrüssig geworden war und sich scheinbar zu einer kleinen Möbelumräumaktion genötigt sah...

Den Montag habe ich dann mit der ersten Staffel von Six Feet Under zugebracht, die in DVD-Form auf Puckis Schreibtisch lag. Nach so einem Wochenende kann man sich mal etwas Müßiggang gönnen...
Der Dienstag war dann der Suche nach einem Plattenladen gewidmet. Da ich keine Lust hatte mir für teuer Geld ein U-Bahnticket zu holen suchte ich halt im Wedding...Unmöglich! Nach zwei Stunden hab ich´s dann aufgegeben und den Second-Hand-Cd-Laden um die Ecke aufgesucht. Gab auch ganz nette Sachen.
Dann war nicht mehr allzuviel los, ein bisschen mit Axel rumhängen, und dann ging´s Donnerstag von der Tankstelle am Nikolaisee wieder los Richtung Jena. Bis zur Abfahrt Göschwitz bin ich dann richtig gut durchgekommen, gerade mal zwei Autos hat´s gebraucht, nur per Anhalter nach Jena rein war einfach nicht zu machen. Also doch nochmal Kohle für die Bahn rauswerfen und ab nach Jena West! Und damit war eine herrliche Festivalwoche zu Ende.

Fazit: Wiedermal ein geniales Festival, mit einer Athmosphäre wie man sie auf sonstigen Festivals vergeblich sucht. Musikalisch war´s dieses Jahr leider nicht allzu toll (für meinen Geschmack einfach zu viel Ska), aber die Beatsteaks vom Vorjahr waren auch schwer zu toppen. Nächstes Jahr bin ich definitv wieder dabei. Für mich der Höhepunkt des Festivalsommers!

Und hier noch ein paar Impressionen:

14.8.06 23:23


Mixtape August - "Ich hab´ die Unschuld kotzen sehen"

Hier also eine neue Kategorie: Das Mixtape des Monats, damit es auch während der reisefreien Zeiten wenigstens ab und zu mal was neues zu lesen gibt. Den Anfang macht ein Tape zum Thema - wie sollte es anders sein - Reisen, voller Lieder die die bisherigen Urlaubsfahrten des Jahres begleitet haben oder aber einfach auf jeder Fahrt dabei sein sollten (oder thematisch einfach zu gut passen um übergangen zu werden...). Ach ja, die Mixtapes beziehen sich natürlich auf 60-Minuten-Kassetten...

Mixtape August - "Ich hab´ die Unschuld kotzen sehen"

Seite 1

Canned Heat - On the Road again
Terrorgruppe - Wochenendticket
Cat Stevens - If you want to sing out sing out
Neil Young - Hey Hey My My
Monster Magnet - Negasonic Teenage Warhead
Eels - Mr E´s Beautiful Blues
Beatles - Here comes the Sun

Seite 2

The Kinks - Sunny Afternoon
The Black Crowes - Wiser Time
Jefferson Airplane - The Ballad of you and me and Pooneil
The Soundtrack of our Lives - Safety Operation
Pixies - The Holiday Song
Die Kassierer - Im Wagen vor mir
Jonas - Nice Day
Red Hot Chilli Peppers - Road Trippin´
24.8.06 01:39





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